URL: www.caritas-coesfeld.de/aktuelles/presse/fachkraefte-ueber-die-wirkung-des-psg-ii-in-der-praxis-18673ee8-5460-42be-b19b-237b2b9a2cca
Stand: 02.05.2017

Pressemitteilung

Fachkräfte über die Wirkung des PSG II in der Praxis

Veronika Reuter & Bärbel RoßVeronika Reuter & Bärbel Roß im Interview zum Pflegestärkungsgesetz.CV

Zwei Fachkräfte des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld berichten im Interview aus der Praxis: Veronika Reuter, Leiterin des Fachbereichs Tagespflege und Bärbel Roß, Leiterin der Sozialstation Dülmen West. 
 

Anfang 2017 wurde das PSG II eingeführt. Können Sie kurz zusammenfassen, was die wichtigsten Neuerungen für Betroffene waren?

Veronika Reuter: Die Leistungen der Pflegeversicherung sind insgesamt deutlich gestiegen. Es gibt mehr Geld für die Pflege zu Hause sowie für die Inanspruchnahme von Pflegediensten und der Tagespflege. Der Gesetzgeber möchte durch die höheren Leistungen den ambulanten Bereich stärken und die pflegenden Angehörigen entlasten.

Wie sieht das in der Praxis aus - wissen Betroffene darüber Bescheid und schöpfen sie die Möglichkeiten aus?

Veronika Reuter: In den Beratungsgesprächen zeigt sich, dass viele Betroffene nicht wissen, dass die Leistungen für Tagespflege zusätzlich zur Verfügung stehen. Sie befürchten, dass das Pflegegeld oder die Leistungen des Pflegediensts gekürzt werden. Bei richtig Informierten zeigt sich, dass sie in der Tagespflege mehr Belegungstage anfragen - insbesondere dort, wo Angehörige durch die Pflege stark belastet sind.

Durch das PSG 2 sind aus den drei Pflegestufen fünf Pflegegrade geworden. Wie beobachten Sie diese Veränderung in der Praxis?

Bärbel Roß: Besonders Menschen mit beginnender Demenz haben jetzt bessere Möglichkeiten, einen Pflegegrad zu erhalten. Im alten System sind sie häufig durch das Raster gefallen. Neu ist auch, dass die Gestaltung des sozialen Umfeldes bei der Begutachtung mit berücksichtigt wird, ebenso medizinische Maßnahmen wie zum Beispiel das Verabreichen von Spritzen. Insgesamt profitieren Betroffene durch höhere Leistungen. Wir merken, dass deutlich mehr abgerufen wird,  was daran liegt, dass nur noch wenig oder gar nicht zugezahlt werden muss und so viele Pflegebedürftige die Leistungen tatsächlich nutzen können. (*siehe Fallbeispiel)
 
Der Caritasverband für den Kreis Coesfeld bietet ausschließlich ambulante Dienste und die Tagespflege zur Unterstützung von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Was hat sich in der ambulanten Versorgung durch das PSG II verändert?

Bärbel Roß: Durch das PSG 1 und PSG 2 können seit Oktober 2016 auch Betreuungs-und Entlastungsleistungen über das Pflegegeld bezogen werden - zusätzlich zu den Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung. Dadurch werden deutlich mehr entsprechende Angebote abgerufen, wie z.B. stundenweise Betreuung im häuslichen Umfeld oder Entlastungsleistungen, wie einkaufen und hauswirtschaftliche Tätigkeiten.

Die gesetzlichen Grundlagen, Unterstützungs- und Finanzierungsmöglichkeiten im Bereich der Pflege sind sehr komplex. Was raten Sie Betroffenen, um gut informiert zu sein, damit sie ihre Möglichkeiten auch voll auskosten können?

Veronika Reuter: Grundsätzlich können sich Betroffene an jeden ambulanten Pflegedienst oder  Pflegeeinrichtung wenden. Die Pflegeberatungsstellen des Kreises Coesfelds bieten ebenfalls wohnortnah Beratungen an. Jeder, der eine unverbindliche Beratung benötigt, kann sich direkt an die Caritas-Sozialstationen und Tagespflegen vor Ort wenden. Uns ist die Beratung und Information unserer Kunden besonders wichtig.


* Fallbeispiel für den Wechsel von Pflegestufen zu Pflegegrad:

Bis Ende 2016 erhielt ein Pflegebedürftiger mit Pflegestufe 1 und Einschränkung der Alltagskompetenz 316 € Pflegegeld oder 689 € Sachleistungen sowie 698 € für die Tagespflege und bis zu 208 € Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Ab 2017 wurde er in den Pflegegrad 3 eingestuft und erhält nun 545 € Pflegegeld oder 1.298 € Sachleistungen, zusätzlich 1.298 € für die Tagespflege sowie bis 125 € für Entlastungsleistungen.