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Stand: 02.05.2017

Pressemitteilung

Leistung anerkennen – Inklusion fördern

Christian GermingChristian Germing, Ressortleiter Arbeit & Rehabilitation beim Caritasverband.CV

"Beschäftigte erwerben hier Qualifikationen und Fähigkeiten, die ihnen angerechnet werden müssen. Aktuell fangen sie bei einer anschließenden Anstellung wieder bei Null an", so Christian Germing, Ressortleiter Arbeit & Rehabilitation beim Caritasverband.

"Das eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung dem Ziel dient, die Beschäftigten für eine Anstellung in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu befähigen, rückt oft in den Hintergrund", erklärt Germing. Dabei ist dies ein im Sozialgesetzbuch festgeschriebener Auftrag einer Werkstatt. Zielgruppe von Werkstätten sind: "Menschen, die wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können". Als Aufgabe der Werkstätten ist, unter anderem, benannt: "Eine angemessene berufliche Bildung anzubieten, die Leistungs- und Erwerbsfähigkeit zu erhalten und weiterzuentwickeln sowie den Übergang geeigneter Personen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu fördern".

Um herauszufinden, ob eine Eignung für den allgemeinen Arbeitsmarkt vorliegt und welche Tätigkeiten für den Beschäftigten passend sind, dient der sogenannte "Berufsbildungsbereich" der Werkstätten. "In der Praxis ist das ein etwa 2-jähriger Grund- und Aufbaukurs, der sich in verschiedene Aufgabenfelder und Bausteine untergliedert", erklärt Germing. Als Beispiel: Bringt ein Beschäftigter ein besonderes Interesse an der Arbeit in der Natur und mit Pflanzen mit, kann er den Bereich der Garten- und Landschaftspflege auswählen. Im Berufsbildungsbereich wird er dann entsprechend qualifiziert. Jedoch gibt es für die so erworbenen Fertigkeiten kein einheitliches Anerkennungssystem - obwohl sich der Rahmenplan für die berufliche Bildung an dem der Ausbildung zum Gärtner konkret orientiert. "Das ist sowohl für die Beschäftigten als auch für Betriebe zum Nachteil. Für einen Arbeitgeber ist es doch ein wichtiges Kriterium, ob bestimmte Kenntnisse und Fähigkeiten bereits vorliegen - und für den Menschen mit Behinderung ist es, wie für jeden anderen auch, von persönlicher Bedeutung, dass erbrachte Leistungen anerkannt und so auch gewürdigt werden", betont Germing. Eine Diskrepanz sieht er auch in der Dauer des Berufsbildungsbereiches (2 Jahre) im Vergleich zu der allgemeinen Ausbildung, die drei Jahre dauert: "Warum steht den Menschen mit Behinderung nicht genauso viel Zeit für ihre berufliche Bildung zur Verfügung? Dafür gibt es keinen Grund."

Germing fordert die gleichen Rechte für Menschen mit Behinderung, wie sie für alle anderen auch gelten. Dazu müssten einheitliche Bildungsrahmenpläne eingeführt werden, angelehnt an den Deutschen Qualifikationsrahmen, der Qualifikationen des deutschen Bildungssystems in verschiedene Niveaus einordnet. Das schaffe Orientierung und Transparenz und die Möglichkeit, die im Bereich der beruflichen Bildung erbrachten Leistungen auch von den Handwerkskammern anzuerkennen. "Dadurch würde die Anschlussfähigkeit an den allgemeinen Arbeitsmarkt deutlich verbessert und vor allem die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung gefördert. Das Bundesteilhabegesetz hat im Sinne der Inklusion schon viel auf den Weg gebracht, aber an dieser Stelle besteht dringend Nachholbedarf, der bisher noch nicht bearbeitet wurde", so Germing.

Aktion "Wählt Menschlichkeit"

Der Caritasverband für den Kreis Coesfeld weist im Hinblick auf die Bundestagswahl im Rahmen der Aktion "Wählt Menschlichkeit" auf Themen hin, die zur Benachteiligung bestimmter Personengruppen führen. Dabei geht es nicht um eine Wahlempfehlung, sondern darum, für Werte und Ideale zu sensibilisieren, die ein solidarisches und gleichberechtigtes Zusammenleben fördern.