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Stand: 02.05.2017

Pressemitteilung

Lücken in der Versorgung psychisch Erkrankter

...Alle Erinnerungen sind aber wieder da, sie möchte reden, mit jemandem der ihr helfen kann. Aber ein ambulanter Therapieplatz ist erst in sechs Monaten frei.

Das sei nur einer von vielen anderen dramatischen Fällen, berichtet Ivanka Tennagels, Leiterin der Ambulant psychiatrischen Pflege (APP) des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld. "Wenn jemand eine neue Hüfte bekommt, sind die Anschlussbehandlung in einer Rehaklinik und danach die ambulante Physiotherapie selbstverständlich und gehen nahtlos ineinander über. Nach einem Klinik-Aufenthalt wegen einer psychischen Erkrankung warten die Patienten dagegen teilweise monatelang auf einen Therapieplatz. Sie sind seelisch völlig aus dem Gleichgewicht und plötzlich komplett auf sich allein gestellt", macht Tennagels deutlich. Sie kennt die Situation, denn die APP soll helfen, genau diese Versorgungslücke schließen. Doch eine unzureichende Finanzierung erschwert das - in der Folge muss auch die APP Patienten warten lassen.

Ivanka TennagelsIvanka TennagelsCV / Judith Bomholt

Nicht selten werden Patienten, nach einem Klinikaufenthalt, wegen einer Verschlechterung ihres Zustandes, wieder aufgenommen. Die APP wirkt hier vorbeugend, indem sie ihnen hilft, eine Tagesstruktur aufzubauen, Termine einzuhalten, Medikamente regelmäßig einzunehmen oder für Gespräche zur Verfügung steht. Die Mitarbeiter setzen sich aus Fachkrankenschwestern für Psychiatrie oder Krankenschwestern mit langjähriger Erfahrung in der stationären Therapie zusammen. "Wir vermitteln den Patienten das Gefühl, mit ihrer Krankheit nicht alleine zu sein", so Tennagels. Doch der Dienst ist der einzige dieser Art im Kreis Coesfeld und die Nachfrage ist enorm. So hat auch die APP inzwischen Wartezeiten von bis zu acht Wochen. "Es besteht großer Aufholbedarf in der Versorgung psychisch Kranker durch ambulante Dienste. Dazu braucht es bessere berufspolitische Rahmenbedingungen, damit mehr Dienste entstehen und Menschen mit psychischer Erkrankung genauso aufgefangen werden können, wie die mit einer Krebserkrankung. Denn beides kann lebensgefährlich sein", so Tennagels.

Aktion "Wählt Menschlichkeit"
Der Caritasverband für den Kreis Coesfeld weist im Hinblick auf die Bundestagswahl im Rahmen der Aktion "Wählt Menschlichkeit" auf Themen hin, die zur Benachteiligung bestimmter Personengruppen führen. Dabei geht es nicht um eine Wahlempfehlung, sondern darum, für Werte und Ideale zu sensibilisieren, die ein solidarisches und gleichberechtigtes Zusammenleben fördern.