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Stand: 02.05.2017

Pressemitteilung

Wohnungsnot im Kreis Coesfeld nimmt zu

Ein Mann studiert die Kleinanzeigen einer ZeitungCV / Judith Bomholt

Der Wohnberechtigungsschein soll ihnen zu preisgünstigem Wohnraum verhelfen, aber die Versorgungslage wird immer enger. "In vielen unserer Dienste begleiten wir Menschen, die auf Sozialwohnungen angewiesen sind. Wir beobachten, dass der Bedarf steigt, aber die Suche sehr mühsam und langwierig ist", so Johannes Böcker, Vorstand des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld. Meist werden die Suchenden bei Wohnbaugesellschaften fündig. Nur selten bei privaten Vermietern, wo die Skepsis oft zu groß ist. "Es braucht dringend mehr sozialen Wohnraum, damit mehr Menschen, die darauf angewiesen sind, eine realistische Chance auf den Zugang zum Wohnungsmarkt bekommen", so Böcker.

Zwar ist die Bautätigkeit im Wohnungsbau insgesamt gestiegen, aber zu wenig, um den geschätzten Bedarf zu decken, das zeigt auch der Wohnungsmarktbericht NRW 2016 der NRW.BANK. Er stellt das aktuelle Neubauniveau und die Bedarfe gegenüber: Für den Kreis Coesfeld ergibt sich daraus ein Defizit von 500 bis 1.000 Wohnungen pro Jahr, das auch durch den Flüchtlingszuzug beeinflusst wird. Neu geschaffen wurden in den vergangenen drei Jahren im Kreis Coesfeld durchschnittlich 900 Wohnungen jährlich. Ein Missverhältnis, das zu steigenden Mieten und Kaufpreisen führt - besonders bei kleinen und altgerechten Wohnungen.

Vorteile der Wohnraumförderung

Die gesetzlich geregelte soziale Wohnraumförderung setzt hier an und zielt darauf ab, Menschen mit geringem Einkommen mit preiswerten Mietwohnungen zu versorgen. Vermieter erhalten für die Schaffung von sozialem Wohnraum staatliche Förderungen und profitieren aus Tilgungsnachlässen, günstigen Zinskonditionen von 0,5 Prozent oder auch zinslosen Zeiträumen. Im Gegenzug dürfen sie für 20 bis 25 Jahre den Wohnraum nur an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermieten und müssen Mietpreisbindungen einhalten. "Dafür haben Vermieter langfristig gesicherte Mieteinnahmen, denn die niedrigen Mieten mindern das Leerstandsrisiko. Zudem ist eine Rendite von etwa drei Prozent erreichbar und bei geringem Risiko durchaus ansehnlich", so Dipl.-Ing. Herbert Lintz von der  Architektenkammer NRW. Doch wo die Nachfrage den Bestand übersteigt, das Leerstandsrisiko ohnehin gering ist und die Mieten zunehmen, ist auch ohne Förderung eine Rendite von über drei Prozent leicht zu erreichen.

Mehr Potentiale erschließen

"Um den künftigen Bedarf decken zu können, müssen weitere Anreize oder bessere Rahmenbedingungen für Investitionen in sozialen Wohnungsbau geschaffen werden. Darüber hinaus appellieren wir aber auch an die Kommunen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Ziel zu unterstützen, Menschen im Kreis Coesfeld mit bezahlbarem Wohnraum versorgen zu können", so Böcker vom Caritasverband. Denn das Auslaufen der Sozialbindungen von bestehendem sozialem Wohnraum übt weiteren Druck auf dieses Segment aus. Gab es 2015 noch 3.340 preisgebundene Mietwohnungen, werden es (ohne die Förderung neuer Wohnungen) 2030 noch 2.202 sein, so die Daten der NRW.BANK Wohnraumförderung.

Doch welche Weichen gilt es zu stellen? "Wir benötigen eine Abkehr vom Prinzip des Höchstpreisgebots bei der Vergabe kommunaler, landes-, oder auch bundeseigener Grundstücke. Zudem müssen verstärkt Baulücken geschlossen und ehemals gewerblich und industriell genutzte Brachflächen für den Wohnungsbau aufbereitet werden. Von Land und Kommunen erwarten wir eine weitaus aktivere Flächen-, Bauland- und Liegenschaftspolitik für den öffentlich geförderten und den freifinanzierten Wohnungsbau", so Lintz von der Architektenkammer.

"Wählt Menschlichkeit"

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Der Caritasverband für den Kreis Coesfeld macht auf das Thema "Wohnungsnot im Kreis Coesfeld" im Rahmen der Aktion "Wählt Menschlichkeit" aufmerksam, die - initiiert durch den deutschen Caritasverband - im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 im September stattfindet. Dabei geht es nicht um eine Wahlempfehlung, sondern darum, für Werte und Ideale zu sensibilisieren, die ein solidarisches und gleichberechtigtes Zusammenleben fördern.