URL: www.caritas-coesfeld.de/aktuelles/presse/mit-einem-netz-von-hilfen-aus-der-sucht-ef290eb6-a933-488f-b888-9a9b34303b15
Stand: 02.05.2017

Pressemitteilung

Mit einem Netz von Hilfen aus der Sucht

junge Frau mit einem KleinkindBeispielbild (KNA / Oppitz)

Ihr starker Willen und die enge Begleitung der Suchthilfe des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld halfen ihr dabei.

Vor der Sucht führte Natalia ein ganz normales Leben, mit einem Vollzeitjob in der Produktion und dem Wunsch, eine Familie zu gründen. Doch Anfang 30, mit der Geburt ihrer Tochter Lena, änderte sich ihr Leben: Um für sie da zu sein, gab sie ihre Arbeit auf. Die Beziehung zu Vater des Kindes hielt nicht. Ihre Familie verurteilte Natalia dafür, unverheiratet ein Kind bekommen zu haben. Ihre Tage zu Hause, allein mit dem Kind, wurden lang und ihre Probleme zu viel. Sie begann zu trinken, entwickelte sich zur "Phasentrinkerin", trank eine Woche jeden Tag und dann wieder zwei Monate gar nicht - das Ganze in Dauerschleife.

Lange Zeit konnte sie es vor der Außenwelt verbergen, bis die Mitarbeiter des Kindergartens sie ansprachen. 2013 ging sie zur Suchtberatung des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld. Dort half man ihr, einen stationären Therapieplatz zu bekommen, zu dem sie ihre Tochter mitnehmen konnte. Natalia traf dort auf Menschen, die sie verstanden. "Es war eine schöne Zeit und es tat gut, reden zu können. Meine Familie hat meine Probleme ignoriert", erinnert sich Natalia. Doch zurück zu Hause verfiel sie wieder in alte Muster. Als ihr der Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer weggenommen wurde, wurde das Jugendamt aktiv und brachte Natalias Tochter für elf Monate in einer Pflegefamilie unter. "Es hat lange gedauert, bis es ‚Klick‘ gemacht hat", berichtet Natalia. Doch als sie von ihrer Tochter getrennt wurde, war der Punkt erreicht: "Das war das Schlimmste, was passieren konnte und spätestens da begriff ich, dass ich aufhören musste zu trinken."

Als Anschlussbehandlung an den stationären Aufenthalt nahm Natalia das Angebot der Ambulanten Rehabilitation Sucht des Caritasverbandes in Anspruch. "Meine Kollegin erkannte aber schnell, dass Natalia in erster Linie die Bearbeitung ihrer Probleme im Gespräch brauchte, was bei unserem Dienst im Fokus steht", berichtet Birgit Feldkamp, die als Mitarbeiterin der Suchtberatung Natalia fortan unterstützte. Es folgten harte Monate der persönlichen Auseinandersetzung unter der fachlichen Begleitung. "Bei Frau Feldkamp fiel es mir leicht, über mich zu reden. Bei einem Mann hätte ich das so nicht gekonnt", sagt Natalia. Eine wichtige Voraussetzung, so Feldkamp: "Es muss mit dem Therapeuten und dem Klienten harmonisieren. Wenn das nicht auf Anhieb klappt, schauen wir im Team, ob ein Kollege vielleicht besser passen würde."

Ihre Kollegen zog Feldkamp auch hinzu, als Natalia ihre Tochter wieder bei sich aufnehmen konnte. Ein Mitarbeiter des Projekts "Begleitete Elternschaft" befasste sich in dieser Phase mit Natalias Tochter. Zusätzlich nahmen sie eine Ehrenamtliche des Projekts "PrimA - frühe Hilfen" mit an Bord, die für Lena eine Art "Oma-Rolle" einnahm und ihr unbeschwerte Zeit schenkte. "Die Kinder brauchen fachliche Betreuung, damit sie ihre Erlebnisse richtig verarbeiten", erklärt Feldkamp.

Natalia gelang es, über das Setzen eigener Ziele, die Sucht endgültig hinter sich zu lassen. "Erst war es das Ziel, Lena zurück zu gewinnen. Das habe ich geschafft. Jetzt gilt es die meinen Führerschein zurückzubekommen und dann werde ich bei meinem alten Arbeitgeber fragen, ob ich wieder dort anfangen kann", Natalias Tatendrang ist spürbar. "Ich bin heute endlich wieder so, wie ich es vor der Sucht war", sagt sie selbstbewusst und entschlossen.