"Die Caritas hat uns sehr viel geholfen", erzählt Adnan Al-Khalaf. In Gesprächen mit Marvin Wilke, sozialpädagogischer Berater im Fachdienst Integration & Migration, ging es unter anderem um aufenthaltsrechtliche Fragen, Gesundheitstermine und Schulangelegenheiten. "Wir bekommen weiter Hilfe, wenn wir Probleme haben. Ich bin dafür sehr dankbar und möchte Hilfe zurückgeben und mich in Dülmen integrieren." Als der 47-jährige Syrer bei einem Termin äußerte, dass er sich gerne ehrenamtlich einbringen möchte, stellte Wilke sofort den Kontakt zu seiner Kollegin und Ehrenamtskoordinatorin Paula Schlüter her. Seit fast zehn Jahren setzt sie sich für die Gewinnung von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit ein. Bei einem ersten Kennenlerngespräch sprach sie mit Al-Khalaf über Vorstellungen, vorhandene Kenntnisse und Fähigkeiten. Da er gerne im Auto unterwegs sei, fiel die Entscheidung leicht: Ein Ehrenamt beim Dienst "Essen auf Rädern" sollte es sein. Nach weiteren Gesprächen mit Gabriele Schlotmann, Koordinatorin des Dienstes, und Benjamin Wieger, stellvertretende Einrichtungsleitung der Caritas-Sozialstation Dülmen, sowie einem ersten Probeeinsatz wird Al-Khalaf nun als Ehrenamtlicher bei "Essen auf Rädern" im festen Tandem mit einem ehrenamtlichen Fahrer starten.
Adnan Al-Khalaf ist seit einigen Wochen bei "Essen in Rädern" in Dülmen als ehrenamtlicher Beifahrer im Einsatz.Caritas Coesfeld
Da er zwar einen syrischen, aber keinen deutschen Führerschein besitzt, übernimmt Al-Khalaf bei den Touren die Ausgabentätigkeit und überreicht die frisch zubereiteten Mahlzeiten den Kundinnen und Kunden. Die Begegnungen an den Haustüren erlebt er als wertvoll und bereichernd: "Arbeiten hilft mir sehr viel bei der Integration und beim Deutschlernen." Auch über die Weihnachtsfeiertage wird er im Einsatz sein. "Es macht Spaß, zu helfen", erzählt er. Die älteren Menschen seien sehr freundlich, und er wünsche bei der Übergabe des Essens stets "Guten Appetit". Dieses Miteinander helfe ihm, Sprache und Kultur besser zu verstehen. Er sei bereits gut im Team angekommen, ergänzt Schlüter.
"Was Herr Al-Khalaf für ein Arbeitspensum neben den persönlichen Angelegenheiten meistert, beeindruckt mich enorm", betont Wilke. "Das ist für mich ein deutliches Zeichen für Integrationswillen", fügt Schlüter hinzu. Wenn er seinen Deutschkurs an der VHS abgeschlossen hat, möchte er sich auf die Suche nach einer Arbeitsstelle machen. Eine Arbeitsgenehmigung hat er schon. Der Erwerb der deutschen Sprache sowie die Aufnahme einer Arbeit seien zentrale Voraussetzungen für eine gelingende Integration und den Zugang zu Bildung, Beruf und sozialer Teilhabe, sagt Schlüter. Und weiter: "Doch damit endet Integration nicht. Sie ist ein langfristiger, vielschichtiger Prozess, der erst durch persönliche Begegnungen, soziale Kontakte und aktives Engagement wirklich lebendig wird."
Dass der Dienst "Essen auf Rädern" derzeit stark nachgefragt ist, merkt auch das Team. Mehr Touren bedeuten mehr Bedarf an helfenden Händen. Aktuell sucht das Team weitere Freiwillige, die sich ein paar Stunden in der Woche als Fahrer oder Beifahrer engagieren möchten. Bei Interesse oder weiteren Fragen zur ehrenamtlichen Tätigkeit beim Dienst "Essen auf Rädern" steht Gabriele Schlotmann zur Verfügung.
Menschen wie Adnan Al-Khalaf zeigen, wie wertvoll ehrenamtliches Engagement für die Gemeinschaft und für die eigene Integration ist. "Damit Geflüchtete als Ehrenamtliche gewonnen werden können, braucht es eine Gesellschaft, die offen für neue Perspektiven, für Begegnungen auf Augenhöhe und für gemeinsames Handeln ist", erklärt Schlüter abschließend. Menschen mit Fluchtbiografie, die Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit innerhalb oder außerhalb des Caritasverbandes haben, können Paula Schlüter kontaktieren.
Hier finden Sie weitere Informationen zum Dienst "Essen auf Rädern".