Albert Melcher und Bernhard Möllers (v.l.) leben gemeinsam in der Senioren-WG des Caritasverbandes in Dülmen. Caritas Coesfeld
Albert Melcher erinnert sich genau an den Tag, an dem er in die Senioren-WG eingezogen ist: den 5. Juli 2023. "Ich habe ein Faible für Zahlen", sagt er und lächelt. Der gebürtige Coesfelder hatte zuvor in Nottuln gelebt und war vor seinem Einzug wegen Depressionen in der Klinik am Schlossgarten in Dülmen untergebracht. Eine Sozialarbeiterin machte ihn dort auf die Wohnform aufmerksam. Ganz ohne Unsicherheit sei der Schritt nicht gewesen, erzählt er. Eine Wohngemeinschaft im Alter - das war für ihn neu. "Das Eingewöhnen hat etwas gedauert, aber inzwischen hat sich alles gut eingespielt."
Heute schätzt Melcher vor allem die Mischung aus Gemeinschaft und Rückzugsmöglichkeiten. Drei Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen, vormittags gibt es Unterstützung durch Mitarbeitende, und Angebote wie Gedächtnistraining oder ein leichtes Sportprogramm strukturieren den Alltag. Als Frühaufsteher bereitet Melcher gerne das Frühstück für die anderen vor. "Alles, was zum Leben wichtig ist, wird hier abgedeckt: Kontakte, Essen und ein gemütlicher Schlafplatz", sagt er. Gleichzeitig könne man sich immer ins eigene Zimmer zurückziehen, wenn Ruhe gebraucht werde.
Auch Bernhard Möllers hat in der Senioren-WG eine Wohnform gefunden, die besser zu seiner Lebenssituation passt. Der 62-Jährige lebt seit acht Monaten dort. Nach einer Rückenoperation ist er auf einen Rollstuhl angewiesen; zuvor wohnte er in einem Altenheim in Hiddingsel. "Mit 62 Jahren finde ich selbst nicht, dass ich ins Altenheim gehöre", sagt Möllers. Seine Betreuerin brachte schließlich die Senioren-WG als mögliche Lösung ins Gespräch.
Überzeugt haben ihn unter anderem die Räumlichkeiten und die Lage. Der Marktplatz und der Bahnhof sind nicht weit entfernt, der Bahnhof ist inzwischen barrierefrei nutzbar - "wenn nicht gerade der Aufzug kaputt ist", ergänzt er mit trockenem Humor. Im Alltag erlebt er vor allem den Zusammenhalt als Gewinn: Gespräche, neue Kontakte und geregelte Abläufe geben Orientierung.
Die Wohngemeinschaften des Caritasverbandes richten sich an Seniorinnen und Senioren ab 60 Jahren, die nicht alleine leben möchten oder können. In Dülmen stehen zwei Wohngemeinschaften mit jeweils acht Zimmer mit eigenem Bad zur Verfügung, in Rorup gibt es eine weitere mit ebenfalls acht Zimmern und eigenem Bad. Großzügige Wohn- und Essbereiche, gemeinschaftliche Küchen, Gärten und Terrassen schaffen Räume für Begegnung. Jeden Tag wird zusammen mit einer Hauswirtschaftskraft frisch gekocht, gemeinsame Mahlzeiten und Aktivitäten finden in Abstimmung mit den Bewohnerinnen und Bewohnern statt. Unterstützung gibt es zudem bei der Haushaltsführung und je nach Bedarf bei der pflegerischen Versorgung.
Dass diese Wohnform nicht für alle Menschen gleich passend ist, sagen beide Bewohner offen. Für Menschen, denen allein zu Hause "die Decke auf den Kopf fällt", könne sie jedoch eine gute Möglichkeit sein, meint Melcher. Möllers empfiehlt Interessierten, nicht zu lange zu zögern: "Zimmer in Senioren-WGs sind nicht oft frei."
Weitere Informationen zu den Senioren-Wohngemeinschaften in Dülmen und Dülmen-Rorup erhalten Interessierte hier.