Riad macht eine Ausbildung zum Pflegefachmann und findet, man sollte das Berufsfeld Pflege unbedingt mal ausprobieren.Caritas Coesfeld
Riads Weg in die Pflege begann bereits während der Schulzeit: Nach einem Schulpraktikum in einer Demenz-Wohngemeinschaft arbeitete er dort ein Jahr als ungelernte Aushilfe. Danach entschied er sich voller Begeisterung für die dreijährige Ausbildung zum Pflegefachmann, die er im kommenden Sommer abschließen wird. "Ich dachte, die Arbeit wäre monoton. Überrascht hat mich, dass genau das Gegenteil der Fall ist", sagt er. Jeder Tag und jeder Einsatz während der Pflegetour seien anders. Seine Ausbildung macht er in der Caritas-Sozialstation Coesfeld. Durch den Aufbau der Pflegeausbildung lernt er neben der Ambulanten Pflege aber auch andere Einsatzbereiche während der Praxiseinsätze kennen - wie zum Beispiel die stationäre Altenhilfe, Krankenhaus oder auch psychiatrische Einrichtungen.
Geduld, Empathie und Abwechslung beschreiben für ihn den Pflegealltag. Neben Fachwissen habe er gelernt, selbstständig zu handeln, Stress zu bewältigen und persönliche Belastungen nicht auf die Pflegeempfängerinnen und -empfänger zu übertragen. Dass Pflege oft noch als Frauenberuf gilt, erlebt Terziqi in seinem Berufsalltag nicht so. Es sei zwar nicht ausgeglichen zwischen den Geschlechtern, aber Außenstehende wären überrascht, wie viele Männer in der Pflege arbeiten.
Sein Umfeld reagierte zunächst erstaunt über seine Entscheidung für die Pflegeausbildung. Nachdem er über die umfassenden Bereiche aufklärte, zeigten sich alle sehr erstaunt. Jugendlichen in der Berufsorientierung rät er, den Beruf selbst kennenzulernen: "Viele sagen: Pflege könnte ich niemals. Wer noch nie hineingeschnuppert hat, kann das gar nicht wissen."
Seine Eltern stammen aus Albanien, er selbst ist in Deutschland geboren. Seine Herkunft hat während seiner Ausbildung nie eine Rolle gespielt, sagt er. Seine Mehrsprachigkeit und Werte wie Gastfreundschaft sowie Empathie, mit denen er aufgewachsen ist, seien vielmehr eine Stärke. Während Riads Praxiseinsatz auf einer Kinderstation übersetzte er für albanischsprachige Eltern, die wenig Deutsch verstanden. "So konnte ich ganz konkret helfen. Offenheit für unterschiedliche Kulturen ist mir wichtig."
Auch die Vergütung von über 1.600 Euro im dritten Ausbildungsjahr habe ihn positiv überrascht. Nach dem Abschluss möchte Terziqi zunächst zwei Jahre Berufserfahrung sammeln und anschließend Pflegemanagement studieren. Jugendlichen, die noch unsicher sind, gibt er mit auf den Weg: "Versucht es - dann findet ihr die Antwort."