"Wer hilft mir jetzt, wer bezahlt die Pflege, woher bekomme ich Unterstützung und wer ist mein erster Ansprechpartner?", fragen sich viele Menschen, wenn sie unerwartet mit der Organisation und Finanzierung der Pflege konfrontiert werden. Das weiß Kristina Lind, die nicht nur Podcast-Hostin, sondern auch stellvertretende Fachbereichsleitung Tagespflege ist, nur zu gut. Gemeinsam mit Denise Jäger aus der Sozialstation Senden führt sie in einer neuen Podcast-Folge aus dem Finanzdschungel namens "Pflege". Als erfahrene Krankenschwester und Pflegeberaterin kann Jäger fachlich fundiert erklären, welche ersten Schritte sinnvoll sind, wo Betroffene und Angehörige Hilfe bekommen und welche Möglichkeiten der Pflegefinanzierung es gibt.
Denise Jäger ist erfahrene Krankenschwester, Pflegefachkraft und Pflegeberaterin in der Sozialstation Senden.Caritas Coesfeld
Lind beginnt mit einem Gedankenexperiment: "Angenommen, meine Mutter, die sonst immer topfit ist, geht spazieren und fällt überraschenderweise, kommt ins Krankenhaus und ist von jetzt auf gleich pflegebedürftig. Was könnte ich als Tochter tun?" Jäger rät, im Akutfall während eines Krankenhausaufenthaltes frühzeitig den Sozialdienst einzubinden. Dieser kann nicht nur wichtige Hilfsmittel organisieren, sondern auch einen Eilantrag auf einen Pflegegrad anstoßen, damit die nötigen Leistungen möglichst schnell greifen. Nach dem Antrag schaltet die Pflegekasse den Medizinischen Dienst ein, der meist zu Hause den Pflegebedarf begutachtet und den Pflegegrad festlegt. Der Termin solle unbedingt wahrgenommen werden, rät Jäger. "Denn sonst muss man eventuell lange warten und dann geht kostbare Zeit verloren."
Auch und gerade wenn sich eine Pflegebedürftigkeit schleichend entwickelt, ist es ratsam, frühzeitig das Gespräch zu suchen und bei wachsendem Bedarf einen Pflegegrad bei der Pflegekasse zu beantragen. Pflegebedürftige und Angehörige sollten angebotene Hilfe, etwa fachliche Pflegeberatung, aktiv annehmen und verschiedene Leistungen wie Pflegesachleistung, Pflegegeld und Kombinationsleistungen sinnvoll miteinander kombinieren. "Hilfe holen ist keine Schande", betont die Pflegeberaterin.
Ganz besonders wichtig sei es auch, dass die pflegenden Angehörigen auf sich selbst achten, weil sie nur dann langfristig für andere da sein können. Sie nennt dafür konkrete Wege: eine Kur beantragen, über das Angebot der Tagespflege oder Entlastungsleistungen bewusst Auszeiten organisieren, die Leistungen der Pflegekasse wirklich ausschöpfen und sich dadurch "kleine Inseln" im Alltag schaffen.
Die ganze Folge können Sie hier hören.
Hier gibt es weitere Informationen zur Pflegeberatung im Kreis Coesfeld.