Eine Wegstrecke schob Bischof Heiner Wilmer den Rollstuhl von Hendrik und fachsimpelte mit ihm und Christian Germing (links), Vorstand des Caritasverbands für den Kreis Coesfeld, unter anderem über Fußball.Michael Bönte / Caritasverband für die Diözese Münster e.V.
Mit dabei waren Beschäftigte der Caritas-Werkstatt sowie Schülerinnen und Schüler der Maximilian-Kolbe-Förderschule und Mitarbeitende - eine bunt gemischte Gruppe, die unter dem Motto "Zusammen geht was" gut fünf Kilometer unterwegs war. Die Pilgertour ist Teil von Wilmers Reise durch das Bistum kurz vor seiner Amtseinführung. Er möchte zuhören, ins Gespräch kommen und mit den Menschen Gemeinschaft im Glauben erleben. Zugleich versteht er das Pilgern als Ausdruck einer suchenden Kirche und als Möglichkeit, schon vor seiner Amtseinführung im Bistum Münster anzukommen.
"Eine große Freude" und "ein Privileg" sei dieser Tag für ihn, sagte Wilmer. Dass ihm die Begegnung mit Menschen mit Behinderung besonders am Herzen liegt, hat auch persönliche Gründe: In Kanada lebte er in der Nähe von Toronto selbst eine Zeitlang in einer ähnlichen Einrichtung. Entsprechend offen ging er auf die Teilnehmenden zu, suchte immer wieder das Gespräch und begegnete ihnen auf Augenhöhe.
Zur Begrüßung erhielt Bischof Heiner Wilmer eine Stola, die Beschäftigte der Caritas-Werkstätten Nordkirchen eigens für ihn gefertigt hatten.Michael Bönte / Caritasverband für die Diözese Münster e.V.
Los ging es in der Caritaswerkstatt. Dort erhielt der Bischof eine handgemachte Stola - ein Geschenk, das ihn sichtlich rührte. Weiter führte der Weg zum Caritas-Wohnhaus, in dem 24 Menschen seit einem Jahr leben. Bewohner Hans hatte extra sein Zimmer aufgeräumt, in der Hoffnung auf Besuch - auch wenn die Zeit dafür nicht reichte, wurde spürbar, wie sehr das Haus für viele ein Zuhause geworden ist.
Am Familienzentrum "Am Sinnesgarten" wurde der Bischof von den Kindern singend empfangen, nachdem er sich zuvor spontan auf dem Bolzplatz ins Tor gestellt hatte. Unterwegs ging es in den Gesprächen immer wieder um Gott und die Welt - und auch um Fußball, als Wilmer kurzerhand den Rollstuhl eines Teilnehmers schob und mit ihm über Lieblingsvereine fachsimpelte.
Vor der Kulisse von Schloss Nordkirchen rückte ein zentrales Thema in den Mittelpunkt: Menschenwürde. Jeder Mensch ist wertvoll und verdient Respekt und Anerkennung. Ziel war schließlich die Kinderheilstätte, deren Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht und die heute Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien begleitet.
Auf einer Obstwiese wurde der Abschluss sichtbar bunt: Eine von Schülerinnen und Schülern gestaltete Menschenkette stand für Vielfalt und Einzigartigkeit.
Besonders beeindruckt zeigte sich Wilmer von der gelebten Inklusion in Nordkirchen. "Wenn es einen politischen Willen gibt, dann gibt es auch einen Weg", sagte er. "Wir gehören zusammen - und zusammen geht was."
Zum Abschluss des beeindruckenden Pilgertages in Nordkirchen feierte Bischof Heiner Wilmer mit vielen Gläubigen einen Gottesdienst.Michael Bönte / Caritasverband für die Diözese Münster e.V.
Beim abschließenden Gottesdienst betonte er, wie wichtig es ist, dass jeder Mensch sagen kann: "Ich bin angenommen, ich bin gewollt."
Sein Fazit fiel persönlich aus: "Ich bin dankbar für so viele schöne Begegnungen. Der Humor und das Lachen haben mich tief bereichert - dieser Tag hat mein Herz erwärmt." Und zum Abschied dankte er den vielen Menschen für ihren Einsatz und sagte: "Es war schön. Mich bewegt und beeindruckt, wie Sie hier Leben gestalten."
Text: Michaela Kiepe, Pressedienst Bistum Münster (pbm/mek)